Mythos Pflanzliche Survivalnahrung
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Mythos Pflanzliche Survivalnahrung

In diversen Kräuter-, Survival- und Bushcraftkursen wird gerne suggeriert, dass wir uns vom Blattwerk krautiger und holziger Pflanzen ernähren können. Aber das ist ein Mythos und hier möchte ich gerne ein paar Fakten und Realitäten zu diesem Thema darlegen.

 

Es ist eine Tatsache, dass es jede Menge essbare Kräuter, Sträucher und Bäume in unseren Breiten gibt. Aber es ist auch eine Realität, dass zwischen essbaren Pflanzen und nahrhaften Pflanzen ein Unterschied besteht. Und genau darauf möchte ich eingehen.

 

Grundumsatz

Beginnen wir mit einer ganz simplen Grundrechung, noch ohne Makro- und Mikronährstoffen und deren unterschiedliche Wertigkeit – Ernährungswissenschaft ist nämlich eine komplizierte, und auch alle paar Jahre mit neuen Erkenntnissen aufwartende Disziplin.

Gehen wir einfach mal vom Grundumsatz eines Menschen aus. Also die Energiemenge, angegeben im kcal, die wir jeden Tag benötigen, nur um unsere lebensnotwendigen Grundfunktionen aufrechtzuerhalten, wie zum Beispiel

  • Herzschlag
  • Atmung
  • Verdauung
  • Immunsystem
  • Gehirnaktivität
  • Aufrechterhalten der Körpertemperatur auf 37°C

 

Alleine diese Abläufe benötigen gut und gern 1500 kcal pro Tag, natürlich abhängig von Alter, Größe, Gewicht und anderen „Zutaten“.  Bewegst du du dich auch noch, vielleicht auch noch unter erschwerten Bedingungen, dann schraubt sich dein Bedarf auf 2000 bis 4000 kcal pro Tag hinauf.

 

Energieinhalt

Nun schauen wir uns einmal das Blattwerk einer – an und für sich sehr energiereichen – Pflanze an: die Brennessel

Die Brennessel hat, gemittelt aus unterschiedlichen Quellen, pro 100g Blattwerk ca. 50 kcal.

 

Machen wir nun eine einfache Rechnung:

1500kcal pro Tag bei 50kcal pro 100g Brennessel ergibt eine Blattwerk-Menge von „satten“ 3000g, also 3kg.

Also drei Kilogramm nur für den bewegungslosen (gut berechneten) Grundumsatz.

Und die Brennessel hat mehr als doppelt so viel kcal wie die meisten Wald- und Wiesenpflanzen.

 

Unverträglich

Das ist schon an sich eine Menge Grünzeug. Noch dazu warten alle Pflanzen mit primären und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen auf, die oftmals auch die Funktion des Fraßschutzes haben. Wie zB

  • Saponine
  • Bitterstoffe
  • ätherische Öle
  • Schleimstoffe

Und in dieser Menge gehen die auch an uns nicht spurlos vorüber! Übelkeit, Erbrechen, Unwohlsein wird die Folge sein. (noch mehr bei unseren „verweichlichten'“ Mägen)

 

Energiedichte

Wir Menschen mit unserer Art von Verdauung sind angewiesen auf energiedichtere Nahrung. Sprich mehr kcal pro 100g.

Und dieses Verhältnis ist zu finden in

  • Wurzeln
  • Speicherknollen
  • Samen
  • Früchten

 

Denn hier versucht die Pflanze selbst Energie in einer dichteren Form zu speichern – für Folgejahre oder für Folgegenerationen.

Denke mal an folgende Pflanzenteile:

  • Apfel: ca. 65kcal pro 100g
  • Pastinake: ca. 70kcal pro 100g
  • Brennesselsamen: ca. 270kcal pro 100g
  • Walnüsse: ca. 700kcal pro 100g

 

Auch tierische Nahrung hat eine enorme Energiedichte

  • Hirschfleisch: ca. 115kcal pro 100g
  • Schweineschmalz: ca. 900kcal pro 100g
  • Hühnerei: ca. 140kcal pro 100g
  • Honig: ca. 300kcal pro 100g

 

Mythos und Realität

Alleine diese Zahlen zeigen, dass Blätter von grünen Pflanzen ein wunderbares Beiwerk sind, eine tolle und wichtige Ergänzung zur Ernährung. Gerade was die Mikro-Nährstoffe betrifft.

„On-the-go“-Naschen ist definitiv eine Survival-Nahrungsform, die eine gewisse Magenfüllung, Nährstoffversorgung und auch auch Kopfkino-Beruhigung bewirkt.

Auf mittlere und lange Sicht allerdings müssen wir im Überlebens-Notfall Ausschau halten nach energiedichteren Nahrungsmitteln. Wie Wurzeln, Samen, Früchte und auch tierischem Protein und vor allem Fett.

 

Ich bin sehr dankbar für unsere modernen Möglichkeiten, uns das ganze Jahr über mit energiedichten Lebensmitteln zu versorgen. Die Wichtigkeit und Wertschätzung der erfolgreichen Ernte und der damit zusammenhängenden Aussicht auf gute Wochen und Monate, das Wissen um Lagerung und Verarbeitung und Veredlung ist aus diesem Gesichtspunkt vielleicht noch eine Spur sensationeller.

 

Ernte mal einen Kilogramm Brennessel-Blätter und werde dir über die Mengenverhältnisse, das Volumen klar – an einem energieaufwändigem Tag müsstest du 7 bis 10 kg davon essen!

 

Ich freue mich über deine Gedanken zu diesem Thema!

 

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Wir haben die Erde nicht von unseren Vorfahren geerbt, wir haben sie von unseren Kindern geliehen. (Sitting Bull, Lakota-Indianer)

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  • Stefanie

    Hallo Martin!
    Ich muß ehrlich sagen: ich bin sehr desillusioniert was dieses Thema angeht. Von der „Zuhause in der Natur“ CD-Reihe von Jon Young kenne ich die Aussage, das es kein Problem sei sich 3/4 des Jahres aus der Natur zu ernähren. Mir selbst fällt der Zugang dazu durchaus schwer. Ich kenne mich zwar passabel mit Pflanzen aus, aber sie „ernsthaft“ für die Ernährung zu nutzen (also: Wildpflanzen)… puh.
    Dann hat mir mal jemand von einem Bushcrafter, der durchaus auf YouTube bekannt ist, erzählt daß er einmal ohne Proviant die Alpen überquert habe. Wow! Der scheint es echt drauf zu haben – dachte ich. Bis zu dem Tag, an dem ich zufällig etwas im Fernsehen über diese Alpenüberquerung gesehen habe. Er war noch in Begleitung eines anderen Bushcrafters. Die beiden haben ein paar Grillen auf einer Wiese gefangen, ein paar Heidelbeeren gepflückt und irgendwo drei kleine Äpfel abgestaubt… ansonsten haben die einfach fünf Tage gar nichts gegessen! Die Sache war ein reiner Kraftakt! 20km vor Meran sind sie dann in einer Hütte eingekehrt.
    Seitdem glaube ich nicht mehr daran, das es möglich ist, sich aus der Natur zu ernähren ohne zu jagen – und das ist in Deutschland/Österreich… … noch mal ein anderes Thema.

    Herzliche Grüße, Stefanie

    • Martin

      Danke Stefanie. Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen! Su brauchst definitiv ein sehr „tiefes“ Planzenwissen (Wurzeln und Co), eine feine Wahrnehmung, sowohl was das „spotten“ angehet als auch den richtigen Moment der Ernte. Und einen großes Radius, eine große Landkarte deines Gebietes vor dem geistigen Auge. Auch haben Menschen früher der Natur nachgeholfen, indem sie nahrhaften Pflanzen geholfen haben sich mehr auszubreiten – weitsichtig für die nächsten Jahre schon.
      LG Martin

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