Orientierungssinn – gibt es so etwas überhaupt?
Wildnis-Skills

Orientierungssinn – gibt es so etwas überhaupt?

„Ich hab einfach einen schlechten Orientierungssinn …“ – diesen Satz hört man öfter. Sowohl im Wald abseits der Wege, oder beim Wandern in Vorgebirge oder auf der Einkaufsstraße und im Einkaufszentrum. Gibt es sowas wie Orientierungssinn überhaupt? In diesem Blogartikel gehen wir der Frage nach.

Orientierungssinn

Gibt es so etwas überhaupt?

 

Wieder einmal beim Rausgehen aus einem Geschäft schnurstracks in die falsche Richtung gelaufen? Oder beim Wandern einem Weg gefolgt, der in eine völlig andere Richtung führte? Oder ohne GPS im Auto völlig verloren? Oder schon mal am richtigen Ausrichten der Wanderkarte gescheitert?

Alle Sinne beieinander?

All das ist mir schon passiert. Und anderen auch. Vielen entlockt ein derartiges Erlebnis gerne ein „Ich hab halt einen schlechten Orientierungssinn!“ und gut ist´s. Erklärung gefunden. Genetik. Da kann man halt nix machen …

Stimmt das wirklich? Ist der Orientierungssinn wirklich ein eigenständiger Sinn? Und wenn ja, warum haben wir darüber nie gelernt?

Forschen wir mal nach, welche unsere 5 angeborenen Sinne sind. Dann kommen wir auf Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten/Fühlen. Ferner kann man noch eventuell den komplexen Gleichgewichtssinn und die Tiefensensibilität hinzufügen. Wenn man möchte. Aber – nix zu finden in punkto Orientierung. Was ist das dann eigentlich wirklich?

Kombination aus vielen Infos

Der Orientierungssinn ist kein eigenständiger Sinn. Es ist vielmehr eine komplexe Verarbeitung unsere Sinneseindrücke, also von Informationen aus den eben genannten 5 Sinnen.

Einige Abläufe finden bei gesunden Menschen automatisch, ja unbewusst statt. Und werden nur unter extremen Verhältnissen an ihre Grenzen gebracht. Ein anschauliches Beispiel ist unsere räumliche Orientierung. Sie ist ein feines Zusammenspiel vor allem des Sehens und Hörens, aber auch des Tastens und der unzähligen Sensoren an Muskeln, Sehnen und Bändern, sowie des Gleichgewichts-„Organs“ im Innenohr. All diese Informationen werden im Hirn verarbeitet und beständig überprüft.

Die gute Nachricht

Der Orientierungssinn ist erlernbar und trainierbar. Das tun wir von Geburt an (und vielleicht schon davor), um anhand der Schwerkraft, der Sinnesreize und der so entstehenden Körperwahrnehmung eine räumliche Wahrnehmung und Vorstellung zu generieren. Ohne dieser wären wir im wahrsten Sinne des Wortes orientierungslos.

Alleine für unser Leben, gekoppelt an unsere Fortbewegung und Handlungen, ist ein Orientierungssinn, also die räumliche Orientierung, zwingend notwendig. Und wir haben sie. Du auch.

Da geht noch was

Die Ausprägung, Verfeinerung und Ausreizung des Orientierungssinnes ist allerdings abhängig von der Notwendigkeit diesen weiterzuentwickeln und vom gerichteten Fokus, zu dem ich eingeladen werde, um die maßgeblichen Sinne auf einem höheren Level zu benutzen und dann noch die beständige Wiederholung, also Übung dieser Fertigkeit. In einem Wort lässt sich das gut festmachen – und zwar als Aufmerksamkeit.

Aufmerksamkeit oder awareness bedeutet, dass ich meine Sinne beständig auf einem hohen Level benutze und überprüfe und in einen Kontext bringe. Vereinfacht gesagt heisst das, dass ich trainiert bin, auf die maßgeblichen Details zu achten, um mich zu orientieren. Sprich zu wissen wo ich bin, wo ich mich hinbewege und ob das irgendeinen Zusammenhang mit meiner gegenwärtigen Absicht hat.

Scharfe Sinne

Jemand, der mit einem scharfen Orientierungssinn ausgestattet ist, hat nur trainiert beständig seine Sinne bewusst einzusetzen, bis dieser Prozess unbewusst abläuft. Das heisst zum Beispiel ein Ausschau halten und ständiges Überprüfen maßgeblicher Orientierungs-Leuchttürme. Wie Berge, Bäche, Sonne, Wind, Moos auf Steinen, Hangneigung, Untergrund, Farben, Gerüche, Geräusche …. und ein Wahrnehmen meiner Position im Kontext mit diesen Markierungspunkten.

Das kann verbessert werden, jederzeit. Es ist definitiv erlernbar, steigerbar.

Alles nur eine Frage der Wahrnehmung,  der Aufmerksamkeit und der permanenten, adäquaten Fragen zur Feststellung des Istzustandes und dem Abgleiche mit dem was war und wie es ausgesehen hat bzw. aussehen sollte.

 

  • Wo steht die Sonne gerade?
  • Wo kommt der Wind her?
  • Woher kommt das Bachrauschen?
  • Geht es bergab oder gerade?
  • Wo ist der Berggipfel mit dem Gipfelkreuz?
  • Woher kommt der Wind?

 

Die schlechte Nachricht

Wenn du dich verläufst, ob im tiefen Wald oder im Großstadt-Dschungel, der Grund ist immer mangelnde Wahrnehmung und mangelnde Aufmerksamkeit. Es liegt nicht am Orientierungssinn. Sorry …

In der heutigen Zeit ist es in unserer Kultur und Zivilisiation in Europa gut ersichtlich, dass der Orientierungssinn mehr und mehr nachlässt bzw. in immer geringeren Ausmaß sein Potential entfaltet.

Eine Zivilisations-Erscheinung?

Einerseits ist die Notwendigkeit nicht mehr da. Wir ziehen nicht mehr aus einer Überlebens-Notwendigkeit heraus unsere Kreise stunden- und tagelang durch das Umfeld. Wir haben uns an die städtischen und auch ländlichen Landmarks gewöhnt, mehr erkennen wir als solches gar nicht mehr, sollten wir das gewöhnte Terrain mal verlassen. Auch sind wir sehr in unserer Gedankenwelt gefangen, dass die Sinne und die Wahrnehmung gar nicht auf „Weit“ stellen können. Zudem haben unsere elektronischen Helferchens auch ihre negativen Seiten, vor allem wenn man sich blindlinks auf sie verlässt.

 

Wie du dich natürlich orientieren kannst, und zwar auch ohne Kompass und Karte, kannst du in unseren Wildniskursen erfahren und wieder trainieren. Sodass du immer weisst, wo du bist und dich nicht verlaufen kannst.

 

The following two tabs change content below.
Wir haben die Erde nicht von unseren Vorfahren geerbt, wir haben sie von unseren Kindern geliehen. (Sitting Bull, Lakota-Indianer)

Neueste Artikel von Martin (alle ansehen)

Schreibe einen Kommentar

NAWISHO. Connecting to nature since 2009. All Rights with Mother Nature. Designed by KAIMLING.
  • facebook
  • google+
  • flickr
  • rss